Wegweiser

erstellt am: 26.08.2012 | von: margula | Kategorie(n): Allgemein, Geriatrie

Nur ein Arzt kann einem den richtigen Weg durch die vielfältig gewordene Medizin weisen.

Verständlich wird das anhand der Beschreibung einer Situation, die jeder Laie kennt wenn er versucht selbst eine Diagnose zu stellen, oder die Ursache für Beschwerden zu identifizieren wie: Kopfschmerz, innere Unruhe, Schwindel, Übelkeit oder allgemeines Unbehagen … Weil man den Grund dafür nicht kennt, ist man ernstlich besorgt, konsultiert viele Ärzte und lässt so manche Untersuchung über sich ergehen. Danach erst, wenn keiner der Fachärzte eine eindeutige oder gefährliche Krankheit feststellen konnte, denkt man an das Naheliegende – der Patient braucht eine Lesebrille.

Ähnliches sehe ich bei vielen – nicht nur geriatrischen – Patienten mit Schmerzen im Schultergelenk. Sie haben schon Röntgen von Schulter und HWS, MRT, Injektionen in das Gelenk etc. hinter sich. Aber an das Naheliegende – eine Fehlhaltung bei Arbeit am Computer (Mausführung) auszugleichen – wird nicht gedacht. Stattdessen gibt es schon Forderungen, diese Beschwerde als Berufskrankheit einzustufen. Effektiver und viel kostengünstiger wäre hingegen den Rat eines Praktikers zu honorieren, nämlich dass der Betroffene auf die Haltung des Schultergürtels achtet und nachts die Wirbelsäule richtig unterstützt. Die Umsetzung dieses Ratschlages obliegt dem Patient, macht ihn beschwerdefrei, ist für ihn kostenlos und belastet finanziell auch weder Arbeitgeber noch das Gesundheitssystem.

Wenn es um geriatrische Patienten geht, fragen sich Angehörige oft: zu welchem Facharzt soll ich meinen Vater oder meine Mutter überhaupt bringen, denn das Problem ist nicht eine Krankheit, sondern das „von allem ein bisschen“; was gehört zu welchem Facharzt? Viele Ärzte wurden bereits konsultiert; an jeder Meinung oder Therapie eines Arztes ist etwas dran; welche ist aber wohl die richtige für einen bestimmten Patient? Verschiedene Ärzte haben Medikamente verschrieben; für die Entscheidung, ob man aber wirklich alle schlucken muss, ist wieder ärztliches Wissen erforderlich. Aus Unwissenheit lassen Patienten oft gerade jenes Medikament weg, das für sie lebenswichtig sind.

Unangenehm sind für Angehörige auch Situationen, die Eltern etwa folgend beschreiben und für die sie eine Antwort erwarten: „Schon viele Ärzte haben mir geraten – was soll ich nun wirklich tun?“; „welcher Arzt schiebt nicht alles auf mein Alter?“; oder „kann moderne Medizin wirklich nur für „junge“ Menschen etwas tun?“.

Mit Hilfe des Geriaters finden Patient oder Angehörige den Weg durch die riesig gewordene Informationsflut. Es ist nämlich gar nicht immer einfach zu wissen, zu welchem Facharzt eine neue Beschwerde gehört (vgl. meinen Artikel Beschwerden gP). Ob beim geriatrischen Patient die Ursache für Schwindel oder Gangunsicherheit nun zum Augenarzt gehört, durch Blutdruckschwankungen bedingt ist, im EKG zu suchen ist, am Flüssigkeitsmangel liegt, eine Anämie oder andere Gründe dafür verantwortlich sind, will vorweg beurteilt werden. Ärzte, die ihre Patienten von regelmäßigen Besuchen her kennen, werden ihnen durch richtiges Screening einen Irrgang durch medizinische Stationen ersparen und dem Gesundheitssystem gigantische Kosten einsparen.

Tipp: geriatrische Patienten sollten ihren Arzt regelmäßig (z.B. alle 3 Monate) aufsuchen und nicht nur dann, wenn ein neues gesundheitliches Problem sichtbar wurde.

Dr. Wilhelm Margula

Dr. Wilhelm Margula
Arzt für Allgemeinmedizin - Geriatrie
A-1010 Wien

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