künstliche Ernährung in der Altenmedizin – Ja oder Nein?

erstellt am: 26.12.2020 | von: margula | Kategorie(n): Allgemein, Angehörige, Geriatrie, Wissen

75 % der PEG-Sonden sind nicht gerechtfertigt

Personen, die nicht mehr selbst für sich entscheiden können, haben einen Vertreter. Entweder weil sie beizeiten eine Vorsorgevollmacht erteilt haben, oder weil ihnen laut dem jeweiligen Gesetz ein Betreuer (D), ein Erwachsenenvertreter (Ö) oder ein Vorsorgebeauftragter (CH) zugeteilt wurde.

Was können Sie tun, wenn Sie nun als Vertreter Ihre Zustimmung für eine PEG-Sonde zur künst­lichen Ernährung geben sollen, obwohl Sie überzeugt sind, dass die betroffene Person das nicht gewollt hätte. Eine entsprechende Patientenverfügung ist aber nicht vorhanden. Oder, was können Sie tun, wenn Sie keine Vertretungsbefugnis haben und verhindern wollen, dass Ihrem/r Angehörigen eine PEG-Sonde gesetzt wird? Wie argumentiert man gegen eine PEG-Sonde, um seinem/r Angehörigen jahrelanges Leiden zu ersparen? Wie vermeidet man Gewissensbisse, ob die betroffene Person gestorben ist, weil sie keine PEG-Sonde erhielt?

Als Gerichtssachverständiger hatte ich festzustellen, ob die vorgesehene PEG-Son­de zum Wohl der betroffenen Person ist. Von 20 Aufträgen konnte ich nur 5 mit JA beantworten. 15 Mal oder in 75 % aller Aufträge ergab meine Beurteilung als unabhängiger Sachverständiger, nach Einbeziehen medizinischer, pflegerischer, rechtlicher, und ethischer Aspekte, dass die Implantation einer PEG-Sonde nicht gerechtfertigt ist. Für die allermeisten dieser Fälle gab es auch keine medizinische Indikation. Ob diese Relation auch für Deutschland gilt, wo jährlich ca. 100.000 solcher PEG-Sonden implantiert werden, kann ich zwar nicht mit Sicherheit sagen, es ist aber anzunehmen.

Wer in seiner Patientenverfügung künstliche Ernährung ablehnt, muss das nicht begründen, denn niemand hat das Recht nach dem “Warum” zu fragen. Wenn aber jemand die Entscheidung für einen anderen (geliebten) Menschen treffen muss, steht der Vertreter im Konflikt mit anderen Personen (z.B. mit den Ärzten, die die PEG-Sonde vorschlagen, mit dem Pflegeper­sonal, oder mit anderen Familienmitgliedern). Oft sind sich Vertreter auch gar nicht sicher, wie sie entscheiden sollen. Was wird geschehen, wenn die PEG-Sonde Jahre später wieder entfernt werden soll? Wer wird den Auftrag dafür erteilen und wer wird die Sonde entfernen? Werden diese Handlungen dann Sterbehilfe bedeuten? Auf die Frage „PEG-Sonde in der Altenmedizin“ gibt es keine allgemein gültige Antwort, weil jeder Fall individuell zu beurteilen ist.

Ein ärztliches Gutachten gegen die PEG-Sonde liefert Entscheidungsgrundlagen und trägt so die Entscheidung mit. Das Gutachten zeigt objektive Fakten auf, die schlüssig zum Ergebnis führen, dass die PEG-Sonde gar nicht erst gesetzt wird, und der betroffenen Person bleiben viele Jahre an Leiden erspart.

Wie weiß man, ob in einem bestimmten Fall ein ärztliches Gutachten gegen die PEG-Sonde erstellt werden kann?

Beantworten Sie diese 7 Fragen für Ihren Fall: 1. Gibt es im letzten Monat merklichen Gewichtsverlust? 2. Ist der BMI (Body-Mass-Index) größer als 18,5? 3. Besteht Entscheidungsunfähigkeit seit mehr als 3 Monaten (z.B. nach Schlaganfall)? 4. Besteht Demenzerkrankung seit mehr als 1 Jahr? 5. Verweigert die betroffene Person Nahrungsaufnahme? 6. Bestehen Hautschäden (Decubitus)? 7. Ist eine Patientenverfügung vorhanden?

Schon bei 2 x JA-Antworten besteht Wahrscheinlichkeit, dass ein Gutachten gegen die PEG-Sonde möglich ist. Je mehr JA-Antworten, desto höher die Wahrscheinlichkeit. Verlangen Sie ein kostenloses Analysegespräch unter margula@aon.at. Dabei sage ich Ihnen, ob ich den Auftrag für ein Gutachten annehmen kann.

Dr. Wilhelm Margula

Dr. Wilhelm Margula
Arzt für Allgemeinmedizin - Geriatrie
A-1010 Wien

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